Der Sommer ist da.
Die Sonne scheint, Freibäder sind voll und überall hört man: „Genießt die Ferien!“
Doch viele Familien mit einem ADHS-Kind erleben etwas ganz anderes.
Statt Leichtigkeit gibt es plötzlich mehr Streit, mehr Wut, mehr Diskussionen und deutlich weniger Konzentration.
Viele Eltern schreiben mir derzeit:
Kommt dir das bekannt vor?
Dann möchte ich dir eines gleich zu Beginn sagen:
Du bildest dir das nicht ein.
Auch wenn es bislang nur wenige Studien gibt, die sich speziell mit ADHS und Hitze beschäftigen, sprechen sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse über die Auswirkungen hoher Temperaturen auf Aufmerksamkeit und Selbstregulation als auch die Erfahrungen vieler Familien eine klare Sprache:
Hitze kann das ohnehin stark beanspruchte Nervensystem zusätzlich belasten.
Viele Menschen denken:
“Es ist halt warm.”
Doch für unseren Körper bedeutet Hitze Schwerstarbeit.
Bereits ab höheren Temperaturen muss der Organismus deutlich mehr Energie aufbringen, um die Körpertemperatur konstant zu halten.
Wir schwitzen.
Die Blutgefäße erweitern sich.
Der Kreislauf arbeitet intensiver.
Der Flüssigkeitsbedarf steigt.
Das Gehirn muss all diese Prozesse koordinieren.
Für ein Kind ohne ADHS ist das bereits anstrengend.
Für ein Kind mit ADHS kann genau diese zusätzliche Belastung ausreichen, damit die Selbstregulation deutlich schlechter funktioniert.
Denn genau diese Bereiche gehören ohnehin zu den größten Herausforderungen:
* Aufmerksamkeit
* Impulskontrolle
* Emotionsregulation
* Frustrationstoleranz
* Organisation
* Durchhaltevermögen
Wenn das Gehirn zusätzlich mit Hitze beschäftigt ist, bleibt oft weniger Kapazität für den Alltag.
Vielleicht kennst du solche Situationen:
Viele Eltern glauben dann, ihr Kind teste Grenzen aus.
In Wirklichkeit arbeitet das Nervensystem möglicherweise längst auf Hochtouren.
Denn zur Hitze kommen häufig weitere Belastungen:
* schlechte Nächte durch hohe Temperaturen
* Flüssigkeitsmangel
* weniger Appetit
* mehr Menschen
* lautere Umgebung
* veränderte Tagesabläufe
* längere Tage
* Ferienprogramme
* stärkere Reizüberflutung
All diese Faktoren summieren sich.
Und genau deshalb reicht manchmal eine Kleinigkeit aus, damit das berühmte Fass überläuft.
Gerade in den letzten Schulwochen beobachten viele Eltern einen massiven Einbruch.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass dein Kind keine Lust mehr hat.
Sein Gehirn arbeitet schlicht unter deutlich schwierigeren Bedingungen.
Hinzu kommt:
Viele Klassenräume sind im Sommer extrem warm. 30 Grad oder mehr sind keine Seltenheit.
Während Erwachsene im Büro über Klimaanlagen verfügen, sitzen Kinder oft stundenlang in stickigen Klassenzimmern und sollen gleichzeitig aufmerksam zuhören.
Gerade Kinder mit ADHS stoßen hier häufig an ihre Belastungsgrenze.
Ein Thema, das meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung findet, ist die sensorische Wahrnehmung.
Viele Kinder mit ADHS nehmen Sinnesreize intensiver wahr.
Das bedeutet nicht automatisch eine Wahrnehmungsstörung.
Aber viele Reize gelangen ungefilterter ins Bewusstsein.
Stell dir einmal vor:
Und genau in diesem Moment verlangt jemand noch Aufmerksamkeit von dir.
Für viele Kinder fühlt sich genau so ein Sommertag an.
Das Nervensystem bekommt kaum eine Pause.
Die gute Nachricht:
Es gibt einige Möglichkeiten, den Sommer deutlich angenehmer zu gestalten.
Sonnenspray statt Creme
Viele Kinder akzeptieren Sprays deutlich besser.
Sie lassen sich schneller auftragen und verursachen weniger Reibung auf der Haut.
Sonnenstick
Gerade im Gesicht sind Sticks für viele Kinder angenehmer.
Außerdem bleibt weniger Produkt an den Händen.
UV-Kleidung
Mein persönlicher Favorit.
Je weniger Haut eingecremt werden muss, desto entspannter wird der gesamte Ablauf.
UV-Shirts, UV-Badebekleidung oder leichte langärmlige Kleidung können viele Konflikte vermeiden.
Kältereize bewusst nutzen
Kälte kann helfen, das Nervensystem kurzfristig zu entlasten.
Zum Beispiel:
* ein Eis essen
* kalte Getränke
* Planschbecken
* Gartenschlauch
* Füße ins kalte Wasser
* feuchtes Handtuch im Nacken
* Kühlpad (nicht direkt auf die Haut)
Viele Kinder wirken danach deutlich entspannter.
Regelmäßig trinken
Kinder mit ADHS vergessen das Trinken häufig.
Gerade an heißen Tagen kann Flüssigkeitsmangel Konzentration, Stimmung und Kreislauf zusätzlich verschlechtern.
Mein Tipp:
Nicht warten, bis dein Kind Durst hat.
Lieber feste Trinkpausen einbauen.
ADHS endlich verstehen!
schreib mir einfach unverbindlich schnelle eine Whats App, was gerade deine Herausforderungen sind und wo du gerade feststeckst. Und ich antworte dir ausführlich und persönlich.
Besser gehts kaum
An extrem heißen Tagen ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt für:
* stundenlange Hausaufgaben
* große Ausflüge zur Mittagszeit
* volle Einkaufszentren
* lange Wartezeiten
* unnötige Diskussionen
Manchmal hilft es mehr, Erwartungen kurzfristig anzupassen.
Das Wichtigste, was ich Eltern mitgeben möchte, ist ein Perspektivwechsel.
Wenn dein Kind an heißen Tagen schneller explodiert, mehr diskutiert oder scheinbar wegen Kleinigkeiten ausrastet, frage dich nicht zuerst:
„Warum benimmt es sich so?”
Sondern:
„Was fordert sein Nervensystem gerade alles gleichzeitig?”
Allein diese Frage verändert oft den Umgang miteinander.
Denn wenn wir verstehen, dass hinter vielen Verhaltensweisen keine Absicht steckt, sondern Überforderung, reagieren wir automatisch ruhiger.
Und genau das hilft einem ADHS-Gehirn am meisten.
Für viele Kinder mit ADHS bedeutet sie zusätzlichen Stress – körperlich, emotional und sensorisch.
Sie schlafen schlechter, sind schneller erschöpft, nehmen Reize intensiver wahr und verlieren dadurch leichter die Kontrolle über ihre Gefühle.
Der Sommer muss deshalb nicht perfekt laufen.
Aber wenn wir verstehen, was im Gehirn unserer Kinder passiert, können wir viele Konflikte entschärfen.
Manchmal reichen schon kleine Veränderungen – eine UV-Kleidung statt einer dicken Schicht Sonnencreme, regelmäßige Trinkpausen, ein Eis zur Abkühlung oder einfach das Wissen, dass hinter dem Verhalten oft kein Trotz steckt, sondern ein Nervensystem, das gerade alles gibt.
Und genau dieses Verständnis ist oft der erste Schritt zu einem deutlich entspannteren Familienalltag.
P.S Wusstest du, dass der Begriff ADS veraltet ist?
In all meinen Blogartikeln, sowie in meinem Elterncoaching spreche ich im Normalfall immer ALLE Varianten der ADHS an also automatisch auch ADS !!!
Manche Ärzte verwenden evtl. noch den Begriff ADS um Verwirrung oder lange Erklärungen zu vermeiden.
Man unterscheidet nach ICD-11 ( = Internat. Klassifikation d. Krankheiten)
1) ADHS, vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ
2) ADHS, vorwiegend unaufmerksamer Typ (ADS)
3) ADHS, Mischtyp (die häufigste Form)
ADHS endlich verstehen!
Leider ist es keine Seltenheit, dass Ärzte beim Ausstellen der Diagnose keine große Hilfe sind und euch nicht ausreichend beraten.
Doch dabei gibt es so viel über dieses Thema zu wissen und auch unzählige Strategien, die euch den Alltag als Familie mit ADHS Kind erleichtern können!
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