Diese Kinder bekommen viel weniger Gelegenheit, soziale Fähigkeiten zu üben, weil sie seltener eingeladen werden oder von anderen gemieden werden. Ohne Übung aber gibt es auch keine Fortschritte – ein Teufelskreis!
Warum müssen Eltern aktiv eingreifen?
Viele Eltern hoffen, dass ihr Kind irgendwann „einfach so“ Freunde findet. Doch Kinder mit ADHS brauchen hier gezielte Unterstützung, weil sie soziale Abläufe nicht intuitiv erfassen und nachahmen können wie andere Kinder.
Eltern spielen eine Schlüsselrolle, weil sie:
✅ Soziale Situationen bewusst vorbereiten und steuern können
✅ Ihr Kind in Echtzeit coachen und Feedback geben können
✅ Dafür sorgen können, dass ihr Kind positive Erfahrungen macht
Ohne diese Unterstützung bleibt das Kind oft auf sich allein gestellt – und das endet häufig in Misserfolgen.
Praktische Strategien für Eltern: So helfen Sie Ihrem Kind, Freunde zu finden
Hier sind einige bewährte Strategien, mit denen Eltern den sozialen Erfolg ihres Kindes aktiv fördern können:
1. Soziale Kontakte bewusst initiieren
- Anstatt darauf zu warten, dass das eigene Kind von sich aus Freundschaften schließt, können Eltern aktiv Gelegenheiten schaffen:
- Einzelverabredungen statt große Gruppen: Kinder mit ADHS tun sich schwer in großen Gruppen. Einzelverabredungen mit einem anderen Kind sind eine bessere Möglichkeit, eine Bindung aufzubauen.
- Treffen in strukturierter Umgebung: Ein Treffen mit einem klaren Plan (z. B. gemeinsames Backen, Spielen, Basteln) hilft, soziale Unsicherheiten zu reduzieren.
- Wunschfreunde gezielt ansprechen: Eltern können überlegen, welche Kinder aus der Kita/Schule gut zum eigenen Kind passen könnten und Kontakt zu deren Eltern aufnehmen.
2. Soziale Fähigkeiten aktiv trainieren
ADHS-Kinder brauchen oft explizite Anleitungen für soziale Interaktionen. Das kann im Alltag so aussehen:
•Rollenspiele üben: Vor Verabredungen kann man typische Situationen spielerisch durchgehen („Was machst du, wenn der andere nicht dasselbe spielen will?“).
•Emotionen anderer erkennen und benennen: Eltern können helfen, die Signale anderer Kinder zu entschlüsseln („Schau mal, er schaut weg – das heißt, er will vielleicht gerade nicht mehr über das Thema reden“).
•Impulse kontrollieren üben: Durch kleine Übungen kann das Kind lernen, erst nachzudenken, bevor es handelt oder spricht.
3. Positive Erlebnisse schaffen
Erfolgserlebnisse sind entscheidend, damit das Kind Mut fasst und weiter an seinen sozialen Fähigkeiten arbeitet. Dazu gehört:
•Einladungen ermöglichen: Auch wenn das eigene Kind seltener eingeladen wird, können Eltern den Spieß umdrehen und selbst Einladungen aussprechen.
•Fehltritte als Lernchance nutzen: Wenn etwas schiefläuft (z. B. Streit oder ein Wutanfall), sollte man das gemeinsam reflektieren und nach besseren Lösungen suchen – ohne Vorwürfe.
•Erfolge feiern: Jedes gelungene Treffen sollte gewürdigt werden („Das hast du toll gemacht, du hast super zugehört und ihn ausreden lassen!“).
4. Netzwerk und Unterstützung suchen
Eltern von ADHS-Kindern stehen oft vor denselben Herausforderungen. Es kann helfen, sich mit anderen Familien auszutauschen, sich in Elterngruppen oder Coachings Unterstützung zu holen.